BVB gegen Juve: Von damals und heute.

Alles was man an BVB-Fanartikeln in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone im Mai 1997 auffahren kann, habe ich vor unseren Panasonic Röhrenfernseher geschafft, auf dem in wenigen Stunden das Champions League Finale aus dem Münchener Olympiastadion gegen Juventus in das heimische Wohnzimmer übertragen wird. Welche Dinge sind bei fast jedem jugendlichen Borussen am Start? Natürlich: Die eigene BVB-Bettwäsche, die so schwarzgelb wie Susi Zorcs Seele und so kratzig wie Matthias Sammers Neuntagebart war. Natürlich gab es zu jener Zeit trotz fehlender Flauschigkeit keine schönere Bettwäsche auch wenn das Team nach zwei Meisterschaften in Folge mittlerweile in kleine Grüppchen zerfallen war, mit 9 Niederlagen eine der schlechtesten Rückrunden spielte und nur noch durch extreme Erfolgsanreize UND NICHT mehr durch den trenchcoatigen General Ottmar Hitzefrei zusammenzuhalten war. Selbst heute fällt es mir schwer, diese zu jener Zeit negativen Tatsachen zu Bildschirm zu bringen, da man als echter Borusse nur noch das „Auf-Die-Straße-Laufen“ mit der Bettwäsche nach Air Riedles Eins- und Zweinull, die Zittersekunden nach Del Pieros Anschlusstreffer (möge ihm die Hacke abfallen) und Marcel Reifs „Riiiiieken. Luuuupfen jetzt. Jaaaaaaa“! in Erinnerung hat. Ein Satz so „legendig“ wie der damalige Kader von der alten Dame aus Turin: Nicht weniger als Zidane, Vieri, Deschamps und die Hacke von Del Piero wurden unter anderem von Marcello Lippi aufgeboten. Denke ich heute über die Aufstellung nach, könnte ich schwören, dass schon damals Gianluigi Buffon den italienischen Kasten bewacht hat und auch schon damals kurz vor dem Karriereende stand. Es war allerdings bei Weitem nicht so, denn der damals 19-jährig und -armige „Gigi“ hat sich zu jener Zeit in den Schinkenhallen vom AC Parma seine Sporen verdient, um 2001 zu den Turinern zu wechseln, wo er bis heute die Nummer 1 ist. Doch wer stand im Finale gegen Dortmund im Gehäuse? Es war der damalige italienische Nationaltorhüter und Juve-Kapitän Angelo Peruzzi, der etwas dicker als Ailton und mit 1,81 m einen Zentimeter kleiner als Stefan Klos (!) war. Seine Rache für die Finalniederlage gegen den BVB sollte Peruzzi ironischerweise jedoch 11 Jahre später in Dortmund nehmen, wo er bei der WM 2006 als zweiter Torhüter erst über die deutsche Nationalelf im Halbfinale und später im Finale über die Franzosen und seinem einstigen Kompagnon Zinédine Zidane triumphierte.

So schließen sich immer wieder die Kreise. Aber welche Kreise schließen sich am Mittwoch im Champions League Viertelfinale 18 Jahre nach dem letzten gewonnen Finale „Dahoam“? „smile“-Emoticon Zunächst: Was geschah nach der Nacht von München? Beide Vereine wurden nach einer sportlichen Durststrecke zum Ende der Neunziger dann Anfang der Jahrtausendwende wieder Meister, um anschließend dann wiederum in den Talfahrtmodus zu schalten. Juve war 2006 wegen strukturiertem Sportbetrugs in die Serie B zwangsabgestiegen und Dortmund nahm mit der Fast-Insolvenz in jener Zeit einen nicht minder zweifelhaften und schlechten Weg. Doch beide Clubs sind mit ihren Fans und ihrer Tradition in den Städten waschechte Phönixe und katapultierten sich in Ihren Ländern 2011 und 2012 wieder an die absolute Spitze, an der sich Turin im Gegensatz zur Borussia bis heute hält. Nichtsdestotrotz ist der Lutscher des italienischen Fußballs mittlerweile abgelutscht. Da ist nur noch ein feuchter Stiel. Man vergleiche: Dortmund dümpelt in einer mehr als schwierigen Saison im Mittelfeld der Bundesliga und hat trotz der aktuell schlechten Verfassung noch alle Chancen, die 2:1 Hinspielniederlage zu drehen. Das muss man sich mal geben Die Vorzeichen ähneln zudem teilweise stark denen von 1997. Dortmund hinkt nach erfolgsverwöhnten Jahren in der Liga hinterher, die Mannschaft scheint nicht ganz geschlossen zu sein, der Trainer ist trotzdem beliebt und in der Champion League läuft es. Vielleicht kann der BVB Geschichte wiederholen und sich auch dieses Mal trotz aller widrigen Vorzeichen gegen die Torinos durchsetzen. Hoffen wir nur, dass sich Gigi dann im Fall des Falles bei seinem letzten großen Turnier, der EM in Frankreich 2016, nicht wie sein Vorgänger Peruzzi an den Deutschen rächt.

Mein Tipp für das Spiel: 2:0 für den BVB

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