Der Ewige in der ewigen Stadt

Der 09.03.2015
Die Sonne scheint mir warm ins Gesicht. Im Schatten sind die Umrisse des alten Kolosseum’s zu erkennen. Einen kurzen Moment schwelge ich in Fantasien aus der Zeit der Gladiatoren, im Hinterkopf das Spiel heute Abend, Vorfreude macht sich breit. Der ganze Tag eine Reise durch die glorreiche Vergangenheit einer stolzen Nation.
Die Dämmerung setzt ein und ich begebe mich zum Stadio Olimpico. Der Anblick von Weitem ist imposant. Die Vorfreude steigt weiter. Ein Dämpfer erreichte mich kurz zuvor, Mario Gomez kann nicht spielen. Also kein Duell der beiden deutschen Angreifer.
Je dichter ich dem Stadion komme, desto mehr erinnert das Gebäude an die 2.000 Jahre alte Arena in der Stadtmitte. Die Fassade alt, die Umgebung ungepflegt und dreckig. Die gleichen Inder versuchen einem, Selfie-Stangen zu verkaufen. Endlich am Stadion angekommen, vorbei an mehreren Sicherheits- und Passkontrollen. Die Polizei ist allgegenwärtig. Der Fanshop enttäuschend. Er sieht aus, wie ein kleiner Imbiss mit ein paar hässlichen Schals und Pullover von Lazio, keine Trikots, keine Shorts oder Hosen. Nach dieser Enttäuschung versuche ich mich mit einigen Peroni bis zum Anpfiff durchzuschlagen. Das Bier schmeckt erst nach dem dritten Becher einigermaßen, vorher die reinste Qual. Selbst der obligatorische Gang durch das Stadion wird mir durch die seltsame Architektur verwehrt. Noch 5 Minuten bis zum Anpfiff, der Adler wird losgelassen, die Lazio Fans singen Ihre Hymne, die Scheinwerfer sind für das Flutlichtspiel bereit. Fast bekomme ich Gänsehaut als die Nummer 11 aufgerufen wird. Das Stadion ist nur zur Hälfte gefüllt. Ca. 100 Gästefans aus Florenz tummeln sich auf der gegenüberliegenden Seite und erinnern an die Auswärtsfahrten von der TSG Hoffenheim. Vereinzelnde Böller aus dem Lazioblock sollen das Spiel gebührend eröffnen, der Schiri pfeift an. Die Anzeigentafel ist ein Witz, keine Zeitangabe,keine Zuschauerzahl, nur billige, lokale Werbung. Unmotivierte Inder versuchen durch penetrantes Anstarren Chips, Bier und Wasser aus Ihrer ranzigen Lidl-Tüten zu verkaufen. In der ersten Halbzeit ist Lazio am Drücker, durch einen gut platzierten Fernschuss von Biglia geht Lazio verdient mit einem 1:0 in die Kabine. In der Halbzeit versuche ich mich warm zu halten. Ich dachte, es wäre gemütlicher in Italien. Doch die zweite Halbzeit sollte mein Herz erwärmen. Zunächst macht Florenz Druck und bekommt einige Chancen, doch dann legt Lazio durch einen Elfmeter nach. Anschließend dreht das Team auf, Florenz zeigt nur noch mit wenig Gegenwehr. Wer behauptet, dies an dem Fehlen von Gomez festzumachen, mag ein Zyniker sein. Die Krönung ist ein Doppelpack von dem Spieler, der bei der WM Geschichte geschrieben hat. Von dem ich dachte, sein 2:2 gegen Ghana wäre sein letzter Treffer, den ich live erleben würde. Er hat mich seit meiner Jugend im Fußball begleitet, in Lautern, Werder, Bayern und zuletzt bei Lazio. Natürlich auch während seiner Nationalmannschaftskarriere. Mit 36 Jahren lässt er sein Können mit 2 Treffern noch einmal aufblitzen, jedoch ohne Salto, aber das sei ihm in seinem Alter verziehen. Plötzlich habe ich Gänsehaut, vielleicht ist es den Temperaturen geschuldet, vielleicht aber auch diesem Moment. Der Mann hat Geschichte geschrieben, genauso wie die Stadt in der er lebt. Miroslav Klose bei Lazio Rom. Die Ewigkeit scheint mir auf einmal nur ein Wimpernschlag zu sein.

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